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Besetzter Traum

Jesus, noch 'ne Dokumentation aus der Ex-DDR? Reicht es nicht langsam mit diesen besserwisserischen Jammertal-Berichten?

Am 4.11. hat im Schloßtheater ein Film seine Uraufführung, der eben keines dieser dokumentarfilmerischen TV-Touristen-Quickies ist, sondern eine unter die Oberfläche blickende Langzeitbeobachtung.

Zwickau in Sachsen, am Fuße des Erzgebirges: früher einmal "drüben", jetzt ein Teil von uns, aber für die meisten von uns immer noch terra incognita. An der Produktionsstätte des haßgeliebten DDR-Symbols Trabi – vierrädriger Zweitakt-Schnee von gestern – hat Robert Krieg von der Filmwerkstatt Münster mit seinem Team zwischen Februar 1990 und September 1991 die Vereinigungs-Veränderungen registriert, in Form einer Dokumentation über Menschen und Stimmungen, Landschaften und Gesichter: Mosaikartige Episoden aus einem Vakuum; Szenen der Konsum-Demokratie und der marktwirtschaftlischen Vogelfreiheit; Bilder der alten und der neuen Zerstörungen; Geschichten von Wandel und Handel, von Kälte und Angst, von Wölfen und Lämmern; bizarre Begegnungen und bewegende Offenbarungen; gezielte Fragen, Antworten ohne Gewißheit und Wahrheiten zwischen den Zeilen; pointierte Schlaglichter und Zufallsentdeckungen am Rande.

In den Hauptrollen: Optimisten und Skeptiker, Hoffnungsfrohe und Ratlose, Geldmacher und Gescheiterte; mit dem alten Schuhfabrikbesitzer und der jungen Mutter; dem Trabi-Arbeiter und dem Neu-Unternehmer; dem ausgebooteten Bürgerechtler und dem alerten Wendehals; dem hausbesitzenden Vereinigungsgewinnler (West) und dem musizierenden Bergmann (Ost). Und als Gast: Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl in der Rolle des Heilsbringers...

na dann, 1991

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